Weltpremiere 2014

In 70 Jahren musikalisch und augenzwinkernd um die Welt

Eine weitere Visitenkarte in Noten, Worten, erlebter Geschichte

emmerlichkopf200Dresden (wde) “Mein kleines Leben habe ich ins Verhältnis zu den großen Ereignissen in der Welt gesetzt”, so der aus Eisenberg/Thüringen gebore-ne bekannte Opernsänger und Entertainer Gun-ther Emmerlich. „Nicht ignorant und überheb-lich“ sollen die Erinnerungen sein, sondern wie einer von vielen Menschen, die in den letzten 70 Jahren in ihrer persönlichen Erlebniswelt unter-schiedlich empfunden haben und doch so viel Gemeinsames finden werden. Das war einer der Grundgedanken aus der Sicht des seit 40 Jahren in Dresden lebenden Künstlers für sein neues Bühnenprogramm “Die Welt und ich – 70 Jahre Emmerlich”. Mit sehr professioneller Unterstützung der hervorragend aufgelegten Michael Fuchs Band, brachte Emmerlich seine musikalischen, wortgewandten und oft ironischen Darbietungen von sich, den Menschen im allgemein und der kleinen und großen Politik über die Rampe. Mit dem Theaterkahn in Dresden, vorher „Dresdner Brettl“, hat Emmerlich eine traditionsbewusste Bühne ausgewählt. Durch ein „Mix aus komödiantischem Theater kleiner Form, Revuen, Soloabenden und literarisch-musikalischen Programmen“, steht die Bühne in Dresden und weit darüber hinaus für Theater mit Tief-gang.  Die unterschiedlichsten Musikstile und tatsächlichen Geschichts-ereignisse, verbunden mit dem Kenntnisreichtum von Emmerlich, machten den Abend „bunt, abwechslungsreich und auch nachdenklich“.

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Gunther Emmerlich und die Michael Fuchs Band bei der Welt-Premiere „Die Welt und ich – 70 Jahre Emmerlich“ am 22. Oktober 2014 – Theaterkahn Dresden. — Michael Fuchs, Piano; Roger Goldberg, Bass; Ive Kanew, Saxo-phon; Volkmar Hoff, Drums; Lars Kutschke, Gitarre, von links
Foto: Carsten Nüssler, Dresden

„Ich bin lieber vielseitig als einfältig“, ist ein Motto aus der Lebensgeschichte von Gunther Emmerlich. Viele Stationen seiner sängerischen Laufbahn und seinen 70 Lebensjahren, hat Emmerlich in seinem neuen Bühnenprogramm vorgestellt und aus dem Leben „vor und hinter den Kulissen“ berichtet.  So singt er bis heute sehr erfolgreich die klassischen Opernpartien in seiner so-noren Bass Stimmlage,  die auch bis zum Ton „tiefes B“ reicht, es gibt diesen Ton kaum in der Opernliteratur. Nach einem Duett mit Joy Fleming „Bridge Over Troubled Water“ in der Fernsehsendung „Showkolade“, meinte der lei-denschaftliche Bassist damals: „Wenn man es hat, kann man es auch mal zeigen“. Über 20 Jahre war Gunther Emmerlich festes Ensemblemitglied der Semperoper in Dresden. Ebenso gekonnt gastierte er zum Beispiel in den Musicals My Fair Lady als Alfred P. Doolittle und Anatevka als Milchmann Tevje. Seine Interpretation als Tevje auf dem Theaterkahn kam besonders gut bei dem Premierenpublikum an.

„Jeder hat das Recht, sein privates Leben mit Freuden rückwärts geblickt zu betrachten“, so der Jubilar. „Der Pinsel der Erinnerung wird mal gülden“, so Emmerlich weiter, aber keine Diktatur darf im selben Atemzug genannt wer-den. Man darf sich niemals eine Diktatur schön reden. Diese beiden völlig un-terschiedlichen Lebensbereiche zwischen persönlichem Leben,  Empfinden der Privatsphäre und der Politik müssen zwingend auseinander gehalten werden. „Das ist sehr wichtig und schwer.“ Außergewöhnliche (interessante, wichtige und ‚ganz wichtige‘) persönliche Berührungspunkte zwischen sei-nem Leben und geschichtlichen Ereignissen stellte Gunther Emmerlich dem erstaunten Publikum vor.  „Maikäfer flieg, Dein Vater ist im Krieg …“ Das traf leider auch auf Gunther Emmerlich zu, sein Vater kam nach 1945 nicht aus dem Krieg zurück. Mit Wortspielereien und seinem eigenen, nicht immer sofort erkennbaren Wortwitz und der Aufforderung auch selbst mitzuden-ken, forderten und erfreuten das Publikum.

 Auch manchen politischen Seitenhieb auf seine ersten 45 Lebensjahre, nicht mit dem Säbel sondern mit dem Florett, streute Emmerlich in seine Doku-mentationen ein. Zum Beispiel hatte er einen „großen Gewichtsverlust“ ge-schafft: während einer dreiwöchigen Untersuchungshaft. „In Freiheit ist mir das nie gelungen.“ Am 18. September 1962 wurde er 18 Jahre alt. Zu der Zeit war er „reiselustig und wahlberechtigt“. Leider konnte er „nicht sehr weit damit kommen.“ Die Besucher, aus allen Teilen der Bundesrepublik, hatten ihre Freude und Nachdenklichkeit bei diesen persönlich erlebten Anekdoten.

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Ohne Instrumente: Gunther Emmerlich und die Michael Fuchs Band bei der Welt-Premiere „Die Welt und ich – 70 Jahre Emmerlich“ am 22. Oktober 2014 – Theaterkahn Dresden. — Roger Goldberg; Michael Fuchs; Ive Kanew; Lars Kutschke; Volkmar Hoff, von links
Foto: Carsten Nüssler, Dresden

„Das Leben ist zu kurz, um immer dasselbe zu machen“, so die Erkenntnis von Gunther Emmerlich. Deshalb stellte er u.a. auch in seinem Programm „Die Welt und ich – 70 Jahre Emmerlich“ das Persönliche, die Politik, das Gesellschaftsleben und die Medienangebote in Ton und Wort, aus Ost und West gekonnt neben einander. Er interpretierte auch manche Musikrichtung von Manfred Krug, Ralf Bendix bis zu den Beatles. Über zwei Stunden zeigte er neben seinen nuancierten Textbeiträgen aus Oper, Konzert, Lied, Operette, Musical, Schlager und vieles mehr, seine Sicht zur Lage der Nation auf. Immer auf Augenhöhe waren die fünf Musiker um Michael Fuchs aus Dresden. Sie führten Gunther Emmerlich sicher durch den Abend und bildeten eine gute Grundlage für den Erfolg. Als letzte Zugabe griff Emmerlich gekonnt in die alte Musiktruhe. Mit „Jukebox-Baby“ führte und füllte er in jungen Jahren die Tanzsäle in der DDR. Eine gelungene Mischung und ein außergewöhnlicher, gelungener Abend, so die einhellige Meinung der Premierenbesucher. Emmerlich hatte  ein neues Terrain betreten, „aber er war wieder wunderbar“.


Das Kartenspiel
Gunther Emmerlich
Text: Texas Tyler; Musik: TexasTyler, Ernst Gottfried Bielke und  Gerad de Vries

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